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Globale Wachstumsrisiken setzen dem Euro zu

Ausgabe vom 17.02.2020 08:22 Uhr

Coronavirus bringt globale Konjunktur ins Stottern

In Festlandchina trifft die Ausweitung des Coronavirus die Wirtschaft gleich zweifach. Die Zahl der mit dem neuen Coronavirus Infizierten ist ungleich höher als in anderen Ländern. Die Behörden haben darauf mit umfangreichen Schutzvorkehrungen reagiert, die sie nur behutsam lockern. In diesem Umfeld haben wir unsere BIP-Prognose für 2020 von 5,8 % auf 5,3 % zurückgenommen. Wir gehen in unserem Basis-szenario davon aus, dass der Virusausbruch in Festlandchina im 1. Quartal 2020 ihren Höhepunkt erreicht. Im Vergleich zur jeweiligen Vorjahresperiode rechnen wir von Januar bis März mit einem BIP-Plus von 4,1 %, gefolgt von 5,1 % im 2. Quartal. Anschließend sehen wir in der zweiten Jahreshälfte aber wieder ein beschleunigtes Wachstum von 5,9 % im Jahresvergleich, damit würde aber weiter nicht an die Zuwächse der Vorjahresquartale angeknüpft (Grafik 1). Angesichts des flacher erwarteten Konjunkturverlaufs in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft haben wir auch unsere Annahme über das Wachstum der Weltwirtschaft im laufenden Jahr auf 2,3 % gesenkt (zuvor: 2,5 %).

Marktreaktion: ►► Um die Konjunktur in Festlandchina gegen dämpfende Effekte durch das Coronavirus zu stabilisieren, werden umfangreiche fiskal- und geldpolitische Lockerungen notwendig sein. Am Wochenende stellte die Notenbank bereits 1-jährige Kredite zu 3,15 % zu Verfügung, der niedrigste Zinssatz seit 2017. Zudem rechnen mit einer Rücknahme des Leitzinses um insgesamt 40 BP auf 3,75 % bis Ende 2020. Am Donnerstag gehen wir dabei von einer Senkung von 4,15 % auf 4,05 % aus.

Was bringt die neue Woche?

Die Einkaufsmanagerindizes (PMI) hatten im Januar noch eine Belebung der Wirtschaft signalisiert. So war der globale PMI im Januar mit 52,2 Punkten auf den höchsten Stand seit fast einem Jahr angezogen. Die im Verlauf dieser Woche anstehenden PMIs für das Verarbeitende Gewerbe dürften sich mit Blick auf die sich abzeichnende Wachstumsabkühlung in China jedoch zurückgebildet haben. So flacht die Nachfrage aus China vermutlich ab, es mehren sich aber auch Berichte über eine Beeinträchtigung der Wertschöpfungsketten. Neben den PMIs dürfte in diesem Zusammenhang auch der ZEW-Finanzmarkttest für den Monat Februar Beachtung finden. So hatte sich die Stimmung unter den Finanzmarktanalysten zuletzt noch deutlich aufgehellt.  

Marktreaktion: ►► Das sich eintrübende globale Wachstumsumfeld setzt besonders dem Euro zu, der in der vergangenen Woche gegenüber einer Vielzahl von Währungen einen neuen zyklischen Tiefstand verzeichnete. So rutsche die Einheitswährung zum US-Dollar unter die wichtige Unterstützung bei 1,0870 USD ab, verzeichnete aber auch gegenüber anderen Währungen Kursverluste (Grafik 2).

Und sonst?

Eurozone/ Deutschland: Das Wirtschaftswachstum zum Ende des letzten Jahres ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Für die Eurozone wurde das bereits gemeldete BIP-Plus von 0,1 % gg. Vq. bestätigt, für die deutsche Wirtschaft reichte es gerade zu einer Stagnation der Wirtschaftsleistung im 4. Quartal. Da das Wachstum für das 3. Quartal leicht nach oben revidiert wurde (von +0,08% auf +0,19%) legte die deutsche Wirtschaft im Gesamtjahr 2019 um 0,6 % zu.

USA: Auf den ersten Blick scheint der US-Konsum weiter deutlich zu wachsen. So legten die US-Einzelhandelsumsätze im Januar um 0,3 % zu. In der sogenannten Kontrollgruppe, die ein gutes Proxy für den Konsum darstellt, kam es allerdings im Januar lediglich zu einer Stagnation und der Dezemberwert wurde zudem von +0,5 % gg. Vm. auf +0,2 % gg. Vm. revidiert.

Großbritannien: Der Euro hat zum britischen Pfund die etablierte Handelsspane von 0,84 zu 0,86 GBP nach unten verlassen, so dass der Blick für die Einheitswährung gen Süden gerichtet ist. Hintergrund dürfte der Rücktritt des britischen Finanzministers Sajid Javid sein, der durch Rishi Sunak ersetzt wurde. Dieser Wechsel könnte eine expansivere Fiskalpolitik zur Folge haben und die Wirtschaft stimulieren.

Legende (Marktreaktion): ► = gering, ►► = hoch, ►►► = sehr hoch

 

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