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Klarer Wahlsieg für Tories in Großbritannien

Ausgabe vom 13.12.2019 08:05 Uhr

Pfund mit Aufwärtspotential, BoE dürfte Geldpolitik lockern

Bei den Parlamentswahlen in Großbritannien dürfte den konservativen Tories auf Basis der bisher ausgezählten Wahlkreise der klarste Wahlsieg seit 1987 gelungen sein. Eine Verabschiedung des Gesetzes im Parlament zum Austritt Großbritanniens aus der EU am 31. Januar 2020 dürfte insofern nur Formsache sein. Damit ist das Risiko eines ungeordneten Austritts Großbritanniens aus der EU gebannt. Bald dürften aber Diskussionen darüber starten, ob sich die EU und Großbritannien auf einen Handelsvertrag einigen können, der die zukünftige Beziehung zwischen den beiden Ländern regelt. Insofern bleiben politische und wirtschaftliche Unsicherheiten weiter bestehen.

Marktreaktion: ►►► Der Euro geriet zum britischen Pfund heute Nacht deutlich unter Druck und fiel mit Notierungen von unter 0,83 GBP auf ein Dreijahrestief. Die Aufwertung des Pfundes dürfte sich 2020 in Richtung von 0,76 GBP fortsetzen und damit wiederum Abwärtsdruck auf die Inflation und die ohnehin schon schwächelnde Konjunktur ausüben. Dies sollte letztlich die britische Notenbank veranlassen, den Leitzins im Mai um 25 BP zur reduzieren.

EZB Kommentare verblassen an den Kapitalmärkten

Die neue EZB-Chefin Christine Lagarde äußerte sich auf ihrer ersten Pressekonferenz vorsichtig optimistisch bezüglich der Wachstumsperspektiven in der Eurozone. Zwar würden immer noch die Abwärtsrisiken dominieren, es gäbe aber Anzeichen einer konjunkturellen Bodenbildung. Dies unterstreicht, dass nach der geldpolitischen Lockerung im September kurzfristig nicht mit weiteren Maßnahmen der EZB zur Ankurbelung der Wirtschaft und Inflation gerechnet werden muss. Es wurde aber erneut darauf hingewiesen, dass auf absehbare Zeit eine extrem expansive Geldpolitik in der Eurozone nötig sei. Bis 2022 unterstellt die EZB einen Anstieg der Teuerung auf 1,6 % und damit letztlich nur eine graduelle Annäherung an ihr Inflationsziel. Die Kommunikation bezüglich der Überprüfung der EZB-Strategie („strategic review“) beschränkte sich primär darauf, dass der Prozess im Verlauf des Januars starten und bis zum Ende 2020 abgeschlossen werden soll.

Marktreaktion: ►►► Der Euro profitierte im Vergleich zum US-Dollar kurzfristig von der etwas optimistischeren Einschätzung der konjunkturellen Perspektiven durch die EZB. Aufgrund der Wahlentscheidung in Großbritannien legte der Euro aber letztlich deutlich zum US-Dollar zu. Auch die die Renditen von Bundes- und US-Staatsanleihen zogen gestern an (Grafik 2). Hintergrund dürften deutliche Zuwächse an den Aktienmärkte gewesen sein, nachdem es gestern Medienberichte gab, wonach die USA und Festlandchina kurz vor der Unterzeichnung eines Handelsabkommens stehen (s. S. 2).

Und sonst?

  • USA: Medienberichten zur Folge stehen die USA und Festlandchina kurz vor der Verabschiedung eines sogenannten „phase one deal“. Demnach soll eine grundsätzliche Einigung über die Ausgestaltung eines Handelsvertrages bestehen. Damit dürfte die ursprünglich für diesen Monat vorgesehene Erhöhung von Strafzöllen auf weitere Güterimporte in die USA aus China nicht erfolgen.
  • Schweiz: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat gestern den Leitzins unverändert bei -0,75 % belassen. Der SNB-Chef Thomas Jordan unterstrich dabei, dass negative Zinsen dazu nötig seien, eine weitere Aufwertung des Franken zu verhindern. Insofern gibt es derzeit keine Anzeichen für eine geldpolitische Wende in der Schweiz. Von der SNB-Sitzung gingen keine größeren Impulse auf den Schweizer Franken aus.
  • Russische Föderation: Die Zentralbank wird heute voraussichtlich ihren Leitzins von 6,50 % auf 6,25 % senken. Nach einer vorherigen Rücknahme um 50 BP haben die Notenbanker für die jetzige Entscheidung mehrmals einen kleineren Zinsschritt signalisiert. Strukturell erwarten wir in russischen Volkswirtschaft eine vergleichsweise niedrige Inflation von nur 2,25 % zur Mitte kommenden Jahres. Russische Papiere zählen in diesem Umfeld für Anleger mit zu den attraktivsten EM-Staatsanleihen.

Legende (Marktreaktion): ► = gering, ►► = hoch, ►►► = sehr hoch

 

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